Mittwoch, 20. April 2011

Das Kreuz auf sich nehmen

"Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach". Dies ist ein zentraler Punkt in der ganzen frohen Botschaft von Jesus Christus: Die Einladung, Ihm Nachzufolgen und im jenseitigen, ewigen Reiche bei Ihm zu sein. Doch diese Einladung ist an eine Bedingung geknüpft: Nimm dein Kreuz auf dich!

Nur - was ist das Kreuz in unserem Leben, in unserem Kulturkreis? Um das eingehender zu beschreiben, wollen wir das Kreuz, das Er ja im Allgemeinen mit unserem gesamten materiellen Erdenleben in Beziehung bringt, in drei Aspekte unterteilen.

Erstens besteht unser Kreuz in der Umgebung mit unseren Nächsten.. Unsere Mitmenschen laden oft mit ihrem Verhalten uns ein Kreuz auf, an dem wir mehr oder weniger schwer zu tragen haben. Dieses Kreuz aber ist nicht eine Bürde, sondern ein wahrer Segen. Denn dieses Kreuz hilft uns, in der Nächstenliebe zu reifen.

Viele von uns kennen dieses Problem schon in der Familie. viele von uns haben vielleicht einen Lebenspartner mit dem "schwer auszukommen ist". Seien es Krankheiten, die heute sehr verbreitete Depression oder einfach Unarten, die einem schier zur Verzweiflung bringen können. Wie oft wird man im häuslichen Kreis mit Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit und falschen Anschuldigungen konfrontiert? So ist schon manchmal das traute Heim zur Hölle geworden.

Was meint nun Jesus, wenn Er uns auffordert, dieses unser Kreuz auf uns zu nehmen? Er hat es uns vorgemacht. Er ist den Kreuzesweg geschritten, geschwächt durch Schläge, mit Blutverslust durch die Dornenkrone und zermürbt durch Peinigung und ungerechter Anschuldigungen. Mit der inneren Haltung "Vater, wie du willst, nicht wie ich will", hat er das überschwere Kreuz auf sich genommen nd wusste, was danach geschehen würde. Er wusste um des Zieles dieses Weges: Ein schmählicher Tod am Balken.

Bei unserem Kreuztragen geht es auch um den Tod. Nicht um den Leibestod, den hat ja Jesus um unserer Sündenwillen auf Sich genommen, nein, es geht um den Tod unseres Ichs, unseres Egos.. Das ist auch der wahre Sinn und Zweck des uns übertragenen Kreuzes. Bei dem einen ist es der Lebenspartner, bei dem anderen die Kinder, beim dritten am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft oder in einem anderen Umfeld. Immer aber geht es um das Eine: Das eigene Ego zu Grabe zu tragen.

Das sieht dann so aus, dass wir diejenige Seele, die uns mit allen möglichen Mitteln peinigt, in der Liebe tragen. Unser Ich braucht sich nicht zu rechtfertigen, braucht sich nicht zu wehren, macht keine Vorhaltungen und zieht keine Konsequenzen gegen Widersacher. Unser Ego wird sich zwar noch lange, sehr lange Zeit wehren bis es besiegt ist. Es ist aber die Liebe zu Jesus, dem in uns lebenden Christus, der uns hilft, das Kreuz, in erster Linie unsere Lieblosigkeit, zu tragen und zu überwinden. Die Liebe zu Ihm ist die einzige Kraftquelle, welche unser dahinsterbendes Ego ersetzt. Diese Göttliche Kraft, welche in jedem von uns vorhanden ist, ist dann die Göttliche Barmliebe, welche es uns ermöglicht, den Peiniger mit Erbarmen zu (er)tragen. So beginnt unsere Nächstenliebe bei unseren Nächsten. Haben wir durch Göttlichen Beistand unser Ich soweit überwunden, dass wir für diesen Menschen nur noch Erbarmen verspüren, dann haben wir zweierlei erreicht. Ersten wird der Peiniger zu unserem besten Seelenfreund und zum zweiten kann uns in dieser Welt nichts mehr anfechten. Die Liebe, der Geist oder der Vater hat nun einen freien Zugang im und ins Herz dieses Menschen und hat ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, das gesamte Leben des Peinigers umzukrempeln und ihm Göttliches Licht und Kraft zu vermitteln.

Zweitens kann unser Kreuz aus dem bestehen, was wir oft als unser Schicksal bezeichnen. Lebensumstände und Situationen welche wir selbstgewählt haben oder welche uns irgendwie aufgezwungen wurden und aus denen wir kaum mehr herauskommen. Auch hier geht es im Hauptsächlichen um dasselbe. Unser Ego wird mit dem uns bietenden Aussenleben nicht fertig und möchte es seinen Wünschen anpassen. Es ist das Ego, beziehungsweise dessen unerfüllte Wünsche, welche uns unzufrieden und oft auch des Lebens überdrüssig macht. Macht. Das Kreuz auf sich nehmen heißt auch hier, sich mit dem abzufinden, wie wir es vorfinden – und das aus Liebe! Nehmen wir das Unabänderliche mit dankbarem Herzen aus Gottes Hand, denn Er war es, der immer Seine Hand über uns gehalten hat und es in weiser Absicht so gefügt hat, wie es eben ist. Das was für uns als eine Not erscheint, ist in den Augen Gottes ein Segen. Lernen wir, alles aus Seiner Gnädigen Hand anzunehmen, dann – und erst dann – kann sich der in der Not enthaltene Segen offenbaren. Jesus hat gesagt: "Vater, wie Du willst, nicht wie ich will!" soll auch für uns in jeder Situation gelten. Stirbt unser Ich mit seinen durchwegs verderblichen Wünschen ab, so werden wir erst frei, den Willen Gottes in jeder Situation zu erkennen und nach diesem zu handeln. Lebt dann nicht mehr unser Ich in unserer Seele sondern Christus im Geiste in uns, dann haben wir das eigentliche Leben, das ewige Leben in der ewigen Liebe gefunden.

Wie ist es dann, wenn unsere Familie auf einer christlichen Basis fundiert und unser gesamtes Umfeld in schönster und bester Ordnung ist, haben wir dann kein Kreuz mehr zu tragen? Ja, das wäre zu schön um wahr zu sein, möchte man sagen. Oder eben auch nicht – denn das Kreuztragen ist ja nicht eine Strafe, sondern dient der seelisch/geistigen Entwicklung, wie wir schon gesehen haben.

Wenn also alles stimmt, so bleibt doch noch eins. Das ist unsere angeborene Liebe zur Welt, zum Materiellen, zum Vergänglichen. Und das ist der dritte Aspekt, mit dem wir alle zu kämpfen haben. Johannes sagt in seinem ersten Brief: "Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Denn wer die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. "

Die Liebe zur Welt gründet sich in unserem Ich, das bewusst und unbewusst immer durch die Reize der fünf Sinne betört wird. Ist das Ich damit nach aussen, nach den äußeren Reizquellen gerichtet und derselben immer mehr und eindringlicher suchend, so zieht sich der innewohnende Geist immer mehr zurück. Der Hang nach dem Aussenleben ist naturgemäss bei jedem Menschen stärker als der Hang nach dem Innenleben. Der Hang nach dem Materiellen ist das Kreuz, mit dem die wenigsten Christen fertig werden, weil es die grössten Opfer erfordert. Hier ist ein ganzes und totales Absterben des Ego erforderlich – und immer wieder regt es sich dann fort und will wieder wachsen und stärker werden. Erst dann, wenn das Innenleben bewirken kann, dass das Aussenleben mit all seinen Begierden, Leidenschaften und Gewohnheiten zum Eckel wird, dann ist das Ego auf dem sicheren Weg in die Gruft.

Die Weltliebe und das was ihr folgt, der Hochmut, der Eigensinn, der Neid, der Eifer und all diese Tugenden Satans sind nicht dazu angetan, den Geist in uns wachsen zu lassen. Erst muss dieses Kreuz mit allem Ernst aufgenommen werden und die Bereitschaft dieses Kreuz zu schultern muss in aller Beharrlichkeit in unserem freien Willen fest vorhanden sein. Hier gilt es mit der Welt und seinem System zu brechen. Es heißt nicht, der Welt zu entfliehen, denn unseren Leib haben wir noch und dieser ist ja im Eigentlichen die Welt! Nein, es heißt, aller Abhängigkeiten der Welt zu entsagen und sich total und ganz konsequent auf Gott auszurichten. Alle unsere Versicherungen sind in Gott alleine vorhanden, alle weltliche und systemische Hilfe und Beratungen aber entnimmt die Sorge von Gott, die Er uns verheissen hat: "Sorget nicht … denn ich sorge für euch!". Die Heilige Gegenwart Gottes in uns kann erst dann offenbar werden, wenn wir ausschliesslich auf Ihn vertrauen.

Aber eben, mit alten Gewohnheiten und mit den Erfordernissen, welche wir noch von der Welt mitgenommen haben, ist es schwer zu brechen. Schon auch deshalb, weil wir früher oder später der fragenden Umwelt über unser Tun Rechenschaft ablegen sollen. Dann erfahren wir meist, dass wir völlig allein dastehen und – dass wir extrem sind. Aber das Kreuz auf sich zu nehmen, setzt die Bereitschaft voraus, extrem Gott zu lieben und extrem die Nachfolge Jesu unter die Füsse zu nehmen.

Das Kreuz das uns auf unserem Weg erwartet sieht immer schwer aus. Egal, was es ist, es ist nicht leicht, dieses Kreuz anzunehmen. Es braucht eine grosse, ja manchmal ist eine fast übermenschlich scheinende Kraft vonnöten, um dieses Kreuz aufzunehmen. Erst dann, wenn es dann mal seinen Platz auf den Schultern gefunden hat, wird es leichter und leichter. Dann, auf dem langen Weg kommt es öfters vor, dass man fällt. Und mit dem Aufstehen hat es dann auch so seine geweisten Wege. Aber – wie schon gesagt, wir sind nicht alleine. Wir haben Christus, der uns niemals verlässt und weil Er es schlussendlich ist der unser Kreuz, wenigstens in der Hauptlast, trägt, so erfahren wir bald was es heißt: Mein Kreuz ist leicht und Mein Joch ist sanft.

Haben wir einmal begonnen, den Leidensweg nach Golgatha zu beschreiten um das Ego mit seinen Wünschen zu Grabe zu tragen, dann erkennen wir schon nach den ersten stolpernden Schritten, wie es licht in uns wird. Dieses immer stärker werdende Licht hilft uns, den Weg selbst immer besser zu erkennen. Wir sind dann nicht mehr auf äußere Hilfe und Ratschläge angewiesen, sondern finden alles in uns, was uns nottut. Und manchmal – ja manchmal müssen wir nicht mal alleine bis Golgatha gehen, manchmal kommt uns Jesus Christus schon auf halben Weg entgegen!

Frohe Ostern!


Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.