Mittwoch, 27. April 2011

Ihr seid das Licht der Welt

"Ihr seid das Licht der Welt …" (Mt 5.14) sagt Jesus zu Seinen Jüngern. Im Johannesevangelium aber sagt Jesus "Ich bin das Licht der Welt" (8.12). Nun – was stimmt jetzt? Sind die Nachfolger Jesu das Licht oder ist es Jesus selbst? Und überhaupt: was hat es mit diesem Licht auf sich?

Natürlich ist es sonnenklar, in der Heiligen Schrift gibt es keinen Widerspruch. Wenn Jesus sagt, ihr seid das Licht der Welt, so meint Er damit Sich selbst: "Ich bin das Licht der Welt". Versuchen wir, diesen gordischen Knoten anhand einer Entsprechung aufzulösen. Aber zuerst wollen wir auf die zweite Frage eine Antwort finden. Was meint Jesus mit 'dem Licht'? Und - wo Licht ist muss es auch eine Finsternis geben, sonst wäre das Licht ja gegenstandslos.

Im Neuen Testament wird der Begriff Licht einhundert dreiunddreissig Mal erwähnt. Manchmal ist die Rede vom Tageslicht, dann aber immer nur als Entsprechung zum Geistigen Licht. Jesus aber redet vom Geistigen oder vom Inneren Licht, nicht von dem, welches mit den fleischlichen Augen wahrnehmbar ist.

Dieses Innere Licht ist die Erkenntnis der Geistigen Zusammenhänge.

Um es ganz klar auszudrücken: Es geht nicht um ein gelerntes Wissen, welches von aussen in die Seele eindringt, etwa durch Lesen, lernen, hören oder studieren. Die Erkenntnis ist Wissen, das durch innere Eingebung entsteht. Während sich die Seele das Wissen von aussen aneignet, so nimmt sie dieses Wissen über den Verstand war. Die Erkenntnis aber, die von Innen kommt, geht ins Herz. Dort verbindet sie sich mit den feinfühligen Empfindungen, was im kalten und berechnenden Verstand nicht möglich ist.

Geistiges Wissen aber kann niemals mit dem empfindungslosen Verstand wahrgenommen werden, wie ich dies schon kürzlich in einem Aufsatz behandelt habe. Der Verstand ist für die Materie ausgelegt, für Chemie und Physik, meinetwegen auch für die Astronomie. Aber Geistiges Wissen begreift nun der Verstand niemals. Deshalb kann man rein Geistige Fragen wie "wo kommt meine Seele (also: ich) her? Lebe ich schon länger als mein Körper? Wo ist das Jenseits? usw. nicht in einem Studium lernen, sondern je nach der seelisch/geistigen Reife, erhält man eines Tages diese Erkenntnisse und Antworten als Inneres Licht. Alle Geistigen Fragen und Zusammenhänge sind davon betroffen!

Nun zurück zu der Frage 'Wer ist nun das Licht der Welt, Jesus oder wir?' Am besten wir suchen die Antwort in einer Entsprechung. Schliesse deine Augen und stelle dir vor, du wärest in einer riesengrossen Halle. Diese Halle aber ist dunkel, so dunkel dass man die Hand nicht vor den Augen sieht. Du möchtest aber wissen, was in der großen Halle so alles vorhanden ist und sollte es noch andere Menschen geben, was hier vor sich geht. Dazu hast du ein Streichholz. Was tust du? Zündest du das Streichholz an und drehst dich eine Umdrehung um deine Umgebung wahrzunehmen? Oder gehst du umher, um auszukundschaften, was vor dir ist?

Ich denke, du wirst das bleiben lassen, denn das Streichholz ist bald erloschen, noch bevor sich die Augen an diese kleine Helligkeit gewöhnt haben. Du würdest wohl kaum etwas erkennen können, höchstens, was sich innerhalb zwei Armlängen um dich herum befindet. Vielmehr würdest du in der Finsternis tastend vorwärts gehen um an die Wand zu gelangen und dort angekommen, zündest du das Streichholz an um den Schalter für das taghelle Flutlicht anzudrehen.

Diese Entsprechung beantwortet uns die Frage nach dem Geistigen Licht. Die Halle ist die Welt. Die Welt ist die (Geistige) Finsternis. Das Vorwärtstasten ist die Suche nach der Wahrheit, die Suche nach dem wahren Leben. In diesem Vorwärtstasten fällt man oft, manchmal geht man auch im Kreis umher, man findet etliche Dogmen, Philosophien und Heilslehren. Dann, steht man an der Wand und kommt man nicht mehr weiter, besinnt man sich oft erst an das Streichholz um 'den Schalter' zu finden. Dieses Streichholz ist die Bibel. Sie ist der Wegweiser, aber noch nicht das eigentliche Licht selbst. Sie zeugt vom Licht. Gebrauchst du dieses Zündholz weise, dann findest du den Schalter zum Flutlicht, das dann in alle Winkel die Helligkeit verbreitet und alle Finsternis vertreibt. Dieses Licht in der dunklen Halle – oder eben in der finsteren Welt - ist Christus Jesus. Er allein ist das Licht. Christus Jesus ist der Geist Gottes, Er lebt in einem jeden von uns und gibt uns Licht, also Erkenntnis über die Geistigen Zusammenhänge, je nach der Liebe die wir für Ihn hegen und je nach den tätigen Werken der Nächstenliebe. An dieser Liebe hängt die Leuchtkraft des Lichtes.

Jesus sagt zu Seinen Nachfolgern: "Ihr seid das Licht der Welt". Dieses Licht aber sind nicht die Nachfolger, sondern, um es genau zu sagen, es ist der Geist Gottes, welcher die Seelen Seiner Nachfolger erfüllt.

Die menschliche Seele kann von sich aus nie das Licht der Welt sein.

Die Leuchtkraft des Geistigen Lichtes ist der Grad der Erfüllung der Seele durch den Geist Gottes.

Ein Licht in dieser finsteren und verlogenen Welt zu sein hat nichts mit Bibel-lernen, mit perfekter Rhetorik und virtuoser Argumentation zu tun. Ein Licht in dieser Welt zu sein ist ein predigen ohne Worte, mit Werken der Nächstenliebe, mit Sanftmut, mit Demut, mit Vergeben, mit Gottergebenheit, mit reinen Gedanken – und ohne die Welt mit ihren Sinnesreizen zu lieben.


Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.

Mittwoch, 20. April 2011

Das Kreuz auf sich nehmen

"Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach". Dies ist ein zentraler Punkt in der ganzen frohen Botschaft von Jesus Christus: Die Einladung, Ihm Nachzufolgen und im jenseitigen, ewigen Reiche bei Ihm zu sein. Doch diese Einladung ist an eine Bedingung geknüpft: Nimm dein Kreuz auf dich!

Nur - was ist das Kreuz in unserem Leben, in unserem Kulturkreis? Um das eingehender zu beschreiben, wollen wir das Kreuz, das Er ja im Allgemeinen mit unserem gesamten materiellen Erdenleben in Beziehung bringt, in drei Aspekte unterteilen.

Erstens besteht unser Kreuz in der Umgebung mit unseren Nächsten.. Unsere Mitmenschen laden oft mit ihrem Verhalten uns ein Kreuz auf, an dem wir mehr oder weniger schwer zu tragen haben. Dieses Kreuz aber ist nicht eine Bürde, sondern ein wahrer Segen. Denn dieses Kreuz hilft uns, in der Nächstenliebe zu reifen.

Viele von uns kennen dieses Problem schon in der Familie. viele von uns haben vielleicht einen Lebenspartner mit dem "schwer auszukommen ist". Seien es Krankheiten, die heute sehr verbreitete Depression oder einfach Unarten, die einem schier zur Verzweiflung bringen können. Wie oft wird man im häuslichen Kreis mit Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit und falschen Anschuldigungen konfrontiert? So ist schon manchmal das traute Heim zur Hölle geworden.

Was meint nun Jesus, wenn Er uns auffordert, dieses unser Kreuz auf uns zu nehmen? Er hat es uns vorgemacht. Er ist den Kreuzesweg geschritten, geschwächt durch Schläge, mit Blutverslust durch die Dornenkrone und zermürbt durch Peinigung und ungerechter Anschuldigungen. Mit der inneren Haltung "Vater, wie du willst, nicht wie ich will", hat er das überschwere Kreuz auf sich genommen nd wusste, was danach geschehen würde. Er wusste um des Zieles dieses Weges: Ein schmählicher Tod am Balken.

Bei unserem Kreuztragen geht es auch um den Tod. Nicht um den Leibestod, den hat ja Jesus um unserer Sündenwillen auf Sich genommen, nein, es geht um den Tod unseres Ichs, unseres Egos.. Das ist auch der wahre Sinn und Zweck des uns übertragenen Kreuzes. Bei dem einen ist es der Lebenspartner, bei dem anderen die Kinder, beim dritten am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft oder in einem anderen Umfeld. Immer aber geht es um das Eine: Das eigene Ego zu Grabe zu tragen.

Das sieht dann so aus, dass wir diejenige Seele, die uns mit allen möglichen Mitteln peinigt, in der Liebe tragen. Unser Ich braucht sich nicht zu rechtfertigen, braucht sich nicht zu wehren, macht keine Vorhaltungen und zieht keine Konsequenzen gegen Widersacher. Unser Ego wird sich zwar noch lange, sehr lange Zeit wehren bis es besiegt ist. Es ist aber die Liebe zu Jesus, dem in uns lebenden Christus, der uns hilft, das Kreuz, in erster Linie unsere Lieblosigkeit, zu tragen und zu überwinden. Die Liebe zu Ihm ist die einzige Kraftquelle, welche unser dahinsterbendes Ego ersetzt. Diese Göttliche Kraft, welche in jedem von uns vorhanden ist, ist dann die Göttliche Barmliebe, welche es uns ermöglicht, den Peiniger mit Erbarmen zu (er)tragen. So beginnt unsere Nächstenliebe bei unseren Nächsten. Haben wir durch Göttlichen Beistand unser Ich soweit überwunden, dass wir für diesen Menschen nur noch Erbarmen verspüren, dann haben wir zweierlei erreicht. Ersten wird der Peiniger zu unserem besten Seelenfreund und zum zweiten kann uns in dieser Welt nichts mehr anfechten. Die Liebe, der Geist oder der Vater hat nun einen freien Zugang im und ins Herz dieses Menschen und hat ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit, das gesamte Leben des Peinigers umzukrempeln und ihm Göttliches Licht und Kraft zu vermitteln.

Zweitens kann unser Kreuz aus dem bestehen, was wir oft als unser Schicksal bezeichnen. Lebensumstände und Situationen welche wir selbstgewählt haben oder welche uns irgendwie aufgezwungen wurden und aus denen wir kaum mehr herauskommen. Auch hier geht es im Hauptsächlichen um dasselbe. Unser Ego wird mit dem uns bietenden Aussenleben nicht fertig und möchte es seinen Wünschen anpassen. Es ist das Ego, beziehungsweise dessen unerfüllte Wünsche, welche uns unzufrieden und oft auch des Lebens überdrüssig macht. Macht. Das Kreuz auf sich nehmen heißt auch hier, sich mit dem abzufinden, wie wir es vorfinden – und das aus Liebe! Nehmen wir das Unabänderliche mit dankbarem Herzen aus Gottes Hand, denn Er war es, der immer Seine Hand über uns gehalten hat und es in weiser Absicht so gefügt hat, wie es eben ist. Das was für uns als eine Not erscheint, ist in den Augen Gottes ein Segen. Lernen wir, alles aus Seiner Gnädigen Hand anzunehmen, dann – und erst dann – kann sich der in der Not enthaltene Segen offenbaren. Jesus hat gesagt: "Vater, wie Du willst, nicht wie ich will!" soll auch für uns in jeder Situation gelten. Stirbt unser Ich mit seinen durchwegs verderblichen Wünschen ab, so werden wir erst frei, den Willen Gottes in jeder Situation zu erkennen und nach diesem zu handeln. Lebt dann nicht mehr unser Ich in unserer Seele sondern Christus im Geiste in uns, dann haben wir das eigentliche Leben, das ewige Leben in der ewigen Liebe gefunden.

Wie ist es dann, wenn unsere Familie auf einer christlichen Basis fundiert und unser gesamtes Umfeld in schönster und bester Ordnung ist, haben wir dann kein Kreuz mehr zu tragen? Ja, das wäre zu schön um wahr zu sein, möchte man sagen. Oder eben auch nicht – denn das Kreuztragen ist ja nicht eine Strafe, sondern dient der seelisch/geistigen Entwicklung, wie wir schon gesehen haben.

Wenn also alles stimmt, so bleibt doch noch eins. Das ist unsere angeborene Liebe zur Welt, zum Materiellen, zum Vergänglichen. Und das ist der dritte Aspekt, mit dem wir alle zu kämpfen haben. Johannes sagt in seinem ersten Brief: "Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist. Denn wer die Welt liebhat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. "

Die Liebe zur Welt gründet sich in unserem Ich, das bewusst und unbewusst immer durch die Reize der fünf Sinne betört wird. Ist das Ich damit nach aussen, nach den äußeren Reizquellen gerichtet und derselben immer mehr und eindringlicher suchend, so zieht sich der innewohnende Geist immer mehr zurück. Der Hang nach dem Aussenleben ist naturgemäss bei jedem Menschen stärker als der Hang nach dem Innenleben. Der Hang nach dem Materiellen ist das Kreuz, mit dem die wenigsten Christen fertig werden, weil es die grössten Opfer erfordert. Hier ist ein ganzes und totales Absterben des Ego erforderlich – und immer wieder regt es sich dann fort und will wieder wachsen und stärker werden. Erst dann, wenn das Innenleben bewirken kann, dass das Aussenleben mit all seinen Begierden, Leidenschaften und Gewohnheiten zum Eckel wird, dann ist das Ego auf dem sicheren Weg in die Gruft.

Die Weltliebe und das was ihr folgt, der Hochmut, der Eigensinn, der Neid, der Eifer und all diese Tugenden Satans sind nicht dazu angetan, den Geist in uns wachsen zu lassen. Erst muss dieses Kreuz mit allem Ernst aufgenommen werden und die Bereitschaft dieses Kreuz zu schultern muss in aller Beharrlichkeit in unserem freien Willen fest vorhanden sein. Hier gilt es mit der Welt und seinem System zu brechen. Es heißt nicht, der Welt zu entfliehen, denn unseren Leib haben wir noch und dieser ist ja im Eigentlichen die Welt! Nein, es heißt, aller Abhängigkeiten der Welt zu entsagen und sich total und ganz konsequent auf Gott auszurichten. Alle unsere Versicherungen sind in Gott alleine vorhanden, alle weltliche und systemische Hilfe und Beratungen aber entnimmt die Sorge von Gott, die Er uns verheissen hat: "Sorget nicht … denn ich sorge für euch!". Die Heilige Gegenwart Gottes in uns kann erst dann offenbar werden, wenn wir ausschliesslich auf Ihn vertrauen.

Aber eben, mit alten Gewohnheiten und mit den Erfordernissen, welche wir noch von der Welt mitgenommen haben, ist es schwer zu brechen. Schon auch deshalb, weil wir früher oder später der fragenden Umwelt über unser Tun Rechenschaft ablegen sollen. Dann erfahren wir meist, dass wir völlig allein dastehen und – dass wir extrem sind. Aber das Kreuz auf sich zu nehmen, setzt die Bereitschaft voraus, extrem Gott zu lieben und extrem die Nachfolge Jesu unter die Füsse zu nehmen.

Das Kreuz das uns auf unserem Weg erwartet sieht immer schwer aus. Egal, was es ist, es ist nicht leicht, dieses Kreuz anzunehmen. Es braucht eine grosse, ja manchmal ist eine fast übermenschlich scheinende Kraft vonnöten, um dieses Kreuz aufzunehmen. Erst dann, wenn es dann mal seinen Platz auf den Schultern gefunden hat, wird es leichter und leichter. Dann, auf dem langen Weg kommt es öfters vor, dass man fällt. Und mit dem Aufstehen hat es dann auch so seine geweisten Wege. Aber – wie schon gesagt, wir sind nicht alleine. Wir haben Christus, der uns niemals verlässt und weil Er es schlussendlich ist der unser Kreuz, wenigstens in der Hauptlast, trägt, so erfahren wir bald was es heißt: Mein Kreuz ist leicht und Mein Joch ist sanft.

Haben wir einmal begonnen, den Leidensweg nach Golgatha zu beschreiten um das Ego mit seinen Wünschen zu Grabe zu tragen, dann erkennen wir schon nach den ersten stolpernden Schritten, wie es licht in uns wird. Dieses immer stärker werdende Licht hilft uns, den Weg selbst immer besser zu erkennen. Wir sind dann nicht mehr auf äußere Hilfe und Ratschläge angewiesen, sondern finden alles in uns, was uns nottut. Und manchmal – ja manchmal müssen wir nicht mal alleine bis Golgatha gehen, manchmal kommt uns Jesus Christus schon auf halben Weg entgegen!

Frohe Ostern!


Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.

Mittwoch, 13. April 2011

Das Wesen der Liebe

Über kaum einen anderen Begriff wurden derart viele umfassende Bibliotheken geschrieben wie über die Liebe. Auch kein anderer Begriff wurde derart besungen, wie eben der der Liebe. Doch was ist Liebe? Wie "funktioniert" sie? An die Liebe glauben alle, auch wenn sie selbst so kühn behaupten, nur das zu glauben, was sie sehen – Liebe sieht man nicht und trotzdem weiß jeder, dass es sie gibt. Das Thema ist derart breitgefächert, dass es fast unmöglich scheint, eine einfache Erklärung darüber zu geben. Und doch, es ist nicht so schwierig, wenn wir den Begriff der Liebe im hellen Lichte des Geistes Gottes betrachten.

Im Buch "die Geistige Sonne", Band 2 finden wir einen wunderschönen Ansatz: "Wie spricht sich aber die Liebe inwendig aus? Die Liebe spricht sich stets mit einem begehrenden Zuge aus, das heißt, sie will alles an sich ziehen! Dieser edle Zug sieht nach allen Seiten um sich her, und was seinem Auge begegnet, das ergreift er in der Art, wie es ist, und bemüht sich, den erschauten Gegenstand sich stets näher zu bringen und endlich gar mit sich zu vereinen."

Diese Erklärung trifft nun auf jede Art der Liebe zu. Sei sie seelisch-materiell oder geistig-seelisch. Dieser sehnende Zug, wie oben beschrieben, ist ein sehnliches Begehren. In der seelisch-materiellen Liebe, welche von der inneren Seele ausgeht, sprechen wir von der Begierde oder der Leidenschaft, bei der geistig-seelischen Liebe aber vom Begehren. Obwohl wir auf diese beiden Ausdrücke nicht allzu viel Gewicht legen wollen, bleibt die Haupteigenschaft der Liebe bei beiden Arten dieselbe: Das Begehren, sich mit dem geliebten Gegenstand (oder Menschen) zu vereinen oder Eins zu werden.

Einer liebt seinen ihn erfüllenden Beruf und der unterstellt dann sein ganzes Leben, seine ganze Zeit, seine gesamte Lebensenergie seinem Beruf. Ein anderer, wie etwa ein Forscher, liebt eine Idee und der unterstellt wiederum sein ganzes Leben, seine ganze Zeit und alle Lebensenergie dieser Idee. Ein Dritter liebt einen Menschen und auch dieser unternimmt alles, um nicht nur eine Antwort auf seine Liebe zu bekommen, sondern um mit diesem geliebten Menschen schlussendlich Eins werden zu können, deren Erfüllung dann in der Heirat sein vorläufiges Ziel findet. Diese seelisch-materielle Liebe hat ihre Quelle in der Seele. Dieser Art von Liebe, eben weil sie aus der Seele kommt, ist die eigentliche Eigenliebe, weil es die eigene Seele ist, welche die Erfüllung sucht. Diese Art von Liebe könnte man auch die tierische Liebe nennen, weil sie sich von der eben beschriebenen Eigenliebe kaum unterscheidet. Ich beobachte das zum Beispiel bei meinen Hühnern. Wie ist es herrlich und wunderbar zuzuschauen, wenn die Henne ihre Küken bei Annäherung auch nur der geringsten Gefahr beschützt! Auch verzichtet sie auf ihre eigene Sicherheit wie des Nachts, wenn sie normalerweise auf dem erhöhten Stängeli sitzt. Mit den Küken aber sitzt sie auf dem Boden und nimmt sie unter ihre Fittiche. Sind die Küken aber einmal gross, so verschwindet die Mutterliebe und die Tochter hackt auf die Mutter ein, oder umgekehrt, wenn es um die letzten Maiskörner geht. Ist das nicht ebenso wie bei den Menschen? Wie oft wird den Eltern einen baldigen und schmerzlosen Tod gewünscht, nur um ans Erbe heran zu kommen! Das findet öfters statt, als man glaubt.

Auch Gott ist die Liebe und Er liebt Seine Geschöpfe, die Menschen. Auch diese Göttliche Liebe ist ein Begehren, eine Liebe, die wie bei den Menschen auf eine Antwort, auf ein Wiederlieben hofft. Bei der Liebe Gottes ist der Quellgrund aber nicht Seine Eigenliebe, bei Gott ist es die Liebe, dass alles von Ihm Erschaffene Eins wird. Es ist die Ur-Eigenschaft Gottes, Eins zu sein mit Seiner Schöpfung und von daher stammt Seine Liebe, die keine engen und weiten Grenzen und keine großen und kleine Hindernisse kennt. Aus der Liebe Gottes stammt das Leben, welches ja Zeugnis von Seiner ewigen Existenz in einem jedem einzelnen Menschen, ja in der gesamten geschaffenen Natur gibt. Diese geistig-seelische Liebe geht nicht vom Menschen und dessen Seele aus, sondern alleine von Gott und erfasst des Menschen Seele. Weil des Menschen Geburt beim Eintritt in dieses Erdendasein nur einzig und allein durch die Göttliche Liebe und daraus hervorgehend durch das Leben Gottes erst möglich ist, nennt man diese Liebe die "Erste Liebe". Wer dann diese Liebe genau so selbstlos erwidern kann, der lebt in dieser Ersten Liebe, was dann die eigentliche Erfüllung des Erdenlebens darstellt, weil dieser Seele damit die himmlische Seligkeit schon im Erdenleben widerfahren ist.

Der Unterschiede der seelisch-materiellen und der geistig-seelischen Liebe sind mannigfaltig.

Der freie Wille. Wenn der Mensch liebt, was es auch immer sei, so zählt für diese Seele vor allem die Erfüllung der Begierde, die Sättigung. Der Wille anderer Menschen ist für sie nicht derart wichtig, denn wenn sich andere Menschen etwa gegen ihn durchsetzen, so erfüllt sich die Begierde nicht, und das vermeintliche Glück stellt sich nicht ein.

Bei der Göttlichen Liebe, der geistig-seelischen, ist es umgekehrt. Der Schöpfer könnte ja ohne Probleme diese Seine Liebe in ein jedes Herz setzen, so dass der Mensch Ihn lieben müsste, also quasi zwangsweise lieben müsste. Aber genau das will Gott nicht. Er will, dass der Mensch ihn freiwillig, ohne Zwang. Aus sich selbst liebt und eine Sehnsucht entwickelt, näher zu Gott zu kommen und Ihn immer mehr zu erkennen. Demjenigen, der diesen Zug, oder eben dieses Begehren in sich verspürt und ihm nachgibt, dem gibt sich Gott immer mehr und mehr zu erkennen.

Der Nutzen der Liebe. Wie bei den Tieren, wo bei fast allen Arten eine Liebe zueinander im Herdentrieb zu erkennen ist, und zum Teil schon recht gut ausgebildet ist wie etwa bei den Wölfen. Dort Werden die Mütter und Welpen in Gefahrensituationen in die Mitte des Rudels genommen, und die männlichen Tiere sind für die Verteidigung besorgt. So ist auch die einfache Liebe der Seele beim Menschen beschaffen. Zuerst nützt die Liebe vor allem sich selber, dann der engeren Gemeinschaft, der Familie, dann der Gemeinde und endlich dem Land, der Nation. Die Eigenliebe besorgt sich die Erfüllung der eigenen Begierde und dann derjenigen des Umfeldes, weil dieses wiederum den eigenen Schutz gewährleistet, bzw. die eigene Begierde erfüllt. Das Begehren der seelischen Liebe ist stets ohne Einschränkung Eigennutz und die Seele befriedigt sich selbst.

In der Liebe aus dem Geist Gottes geht es aber wieder um den Menschen, seine Seele und vor allem um seinen Geist. Die Liebe Gottes sucht nie sich selbst, sondern die Erfüllung, oder in diesem Falle sprechen wir von der Se(e)ligkeit Seines Geschöpfes, dem Menschen. Gott denkt nicht an sich selbst, Er denkt an den Menschen, und weiß, dass wenn der Mensch selig ist in der Ersten Liebe, dann erst wird Sein Ziel erreicht: Das Eins sein mit Ihm und somit der ganzen Schöpfung. Das ist die Erste Liebe: sie gibt, ohne darauf zu achten, was zurückkommt. Wo die Gabe der Liebe auf Gegenliebe stösst, da wird die Gabe der Liebe stets grösser!

Der Erfolg der Liebe. Da wo die seelische oder tierische Liebe Erfüllung findet, hält diese Erfüllung nur ganz kurze Zeit an. Wie die Kühe, die fressen und fressen bis fast zum umfallen, dann wiederkäuen sie und schon geht es wieder von vorne los: sie fressen und fressen und der Bauch hat nie genug. So auch die Seele. Hat sich die Seele durch die Erfüllung seiner Begierde befriedigt, so fällt diese Begierde für kurze Zeit in einen Tiefschlaf und schon geht es wieder von vorne los. Die Sättigung ist nur von kurzer Dauer. Die seelische Liebe ist eine materielle Liebe, und wie alle Materie sich stets verändert und umformt, so geht es auch mit der Sättigung, sie kann niemals Bestand haben.

Bei der Erfüllung durch die Geistige Liebe sieht es allerdings etwas anders aus. Die Erfüllung des Gottes-Begehrens findet eine Seligkeit, die von Dauer ist. Ja, mehr noch: sie ist nicht nur von Dauer, sie nimmt tatsächlich stets zu und eine Voll-Sättigung ist gar nie möglich, weil die Liebe Gottes unbegrenzt ist - es gibt kein Ende, keine Limits und kein Finale der Gefühle!

Wenn der Geist Gottes in einer menschlichen Seele durch die Liebe zu Gott soweit erstarkt ist, dann lebt Er sich selbst durch die Demut des Menschen. Diese ist allerdings von Nöten, denn wäre ihr Gegenpart, der Hochmut noch am wirken, so würde sich der Geist mehr und mehr zurück ziehen. Wenn also die Seele den eigenen Willen soweit überwunden hat, dass sie bereit ist, täglich, minütlich, ja, in jeder Alltagssituation auf den Willen des Geistes zu hören, dann kann der Geist Sein eigenes Leben leben und der Mensch wird zum – salopp ausgedrückt – Zuschauer seines eigenen Lebens!

Ist die Seele bereit, seine eigene seelisch-materielle Liebe aufzugeben und sich stattdessen voll auf den Geist auszurichten, dann tut er bald einmal den Willen Gottes – und glaubt immer noch, seinen eigenen Willen selbst auszuführen! Das ist jetzt zwar nicht ganz richtig ausgedrückt, denn er weiß wohl, dass es die Intuition des Geistes ist, welche ihn dann als Werkzeug Gottes einsetzt.

Dies bedeutet aber niemals, dass die geisterfüllte Seele unter dem Zwang steht, den Willen Gottes zu erfüllen. Vielmehr ist es immer und in jeder Situation der Seele anheimgestellt, unter freiem Willen der Ordnung Gottes gemäss zu handeln.

Wer aber noch immer der tierischen Eigenliebe verfallen ist, das heißt, wer noch den Begierden, Leidenschaften und Gewohnheiten des Fleisches lebt, der hat keine Chance, den Willen Gottes für jede Alltagssituation zu erfahren, und noch vielweniger, kann der innewohnende Geist ihn als Werkzeug benutzen, da Er noch keine Möglichkeit gehabt hat, zu wachsen und der Seele genügend Intuition zu übergeben.

Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.s

Mittwoch, 6. April 2011

Ist Wissen Stückwerk?

Vor der Lektüre dieses Aufsatzes wäre es sinnvoll, zuerst den ersten Teil dieses Themas zu lesen mit dem Titel "Das Wissen ist Stückwerk!"

Diese Frage stellt nun die Behauptung, dass Wissen Stückwerk sei, überhaupt nicht in Abrede. Denn die Heilige Schrift selbst sagt auch das Gegenteil und ist trotzdem kein Widerspruch. Nur das Zielpublikum ist ein anderes. So ganz nebenbei erwähnt sehen wir darin auch die grosse Weisheit, welche der Heiligen Schrift zugrunde liegt. Eine einzige Heilige Schrift für tausende und abertausende verschiedener Reifegrade der seelisch/geistigen Entwicklung! Durch den im Herzen des Menschen innewohnenden Geist Gottes erhält nun jeder Mensch mit einer und derselben Bibel das für ihn nötige Licht zum Verständnis, wenn – ja, wenn! – er die Bibel nicht nur lesen und glauben, sondern auch im täglichen Leben umsetzen würde!

Damit sind wir schon mitten im Thema. Wie im ersten Teil dieses Aufsatzes schon beschrieben, gibt es die beiden Lebensweisen, das Leben nach dem Gesetz der Gnade und dasjenige nach dem Gesetz des Natürlichen Lebens. Im Hinblick auf das aufgenommene Wissen kommen wir nun zu den Geheiligten und den Heiligen, also jenen, welche nach dem Gesetz der Gnade leben. Auf den Unterschied dieser beiden werde ich hier nicht eingehen, das würde den Rahmen dieser Niederschrift sprengen. Tut aber im Moment nicht viel zu Sache.

Die Geheiligten also sind es, die nach dem Gesetz der Gnade leben. Sie haben die Weltliebe überwunden, was aber nicht zwangsläufig heißen muss, dass sie sich von der materiellen Welt abgewendet haben. Es ist lediglich die Liebe zur Welt, ihre Begierden, Leidenschaften und Angewohnheiten, ihre Sinnes-Reize und vor allem auch ihre Emotionen, die sie unter völliger Kontrolle haben. Sie dienen nicht mehr der Welt, das heißt, sie dienen nicht mehr dem Fleischleib (das ist ja im engsten Sinne die Welt!), ihre Seele hat sich vom Fleisch-Sinn gelöst und ganz klar, unwiderruflich und kompromisslos dem innewohnenden Geist zugewannt. Diese geheiligten Brüder und Schwestern sind rein äußerlich kaum von den Menschen des Natürlichen Lebens zu unterscheiden.

Nun, was hat das mit dem Wissen zu tun? Auch die Heiligen und Geheiligten lesen die Bibel und nehmen dieses Wissen auf. Aber nicht mit dem Verstand wie die Natürlichen, sondern mit dem Herzen. Und wie geht das? Das geht so, dass man einfach das Gelesene nicht umrahmt, einfärbt oder unterstreicht, sondern dass man das sofort in den Alltagssituationen kompromisslos (!) umsetzt. Was man so umgesetzt hat, und vor allem im Hinblick auf die Liebe zu Gott und zu den Nächsten als werktätige Liebe getan hat, das ist die Voraussetzung dafür, dass der innewohnende Geist Gottes Licht ausschütten kann. Was ist Geistiges Licht? Dieses Licht ist das Erkennen der Geistigen Zusammenhänge und führt somit zur wahren Gotteserkenntnis. Das Licht ist Erkenntnis, Weisheit (angewendete Erkenntnis), Wahrheit und das Wort. Liest der Heilige nun in diesem Licht die Bibel, so nimmt er Wissen auf, das aber in der Seele gespeichert wird durch die Tat.

Nun stellt sich die Frage: Ist dieses Wissen Stückwerk? Nein, dieses Wissen ist kein Stückwerk. Denn wenn der Geist die Möglichkeit hat, sein Licht anzuzünden, das schöpft man aus dem Vollen, aus der innenliegenden Göttlichen Quelle und da kann niemand mehr von Stückwerk sprechen!

Johannes hat das seinen Brüdern geschrieben, welche einen ganz anderen Geistigen Stand erreicht hatten als die Korinther zur Zeit des ersten Briefes. Johannes schrieb ihnen: "Und ihr, die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr bedürfet nicht, daß euch jemand belehre, sondern wie dieselbe Salbung euch über alles belehrt und wahr ist und keine Lüge ist, und wie sie euch belehrt hat, so werdet ihr in ihm bleiben."

Ihr bedürfet nicht, dass euch jemand belehre, sondern wie dieselbe Salbung (Geist Gottes) euch über alles lehrt … Hier haben wir eine mächtige Verheissung, welche aber auch in Dir, mein lieber Freund und uns allen zur Realität werden kann und will! Nur darf zuvor unsere Liebe zu Gott und zum Nächsten kein Stückwerk unsererseits sein, sondern eine vom Geist Gottes geschenkte Kraft!

Ist diese Kraft einmal ausgeschüttet und die ganze Seele davon erfüllt, dann offenbart sich das Wort unseres Himmlischen Vaters Jesu: "Und es werden Ströme lebendigen Wassers von seinen Lenden fliessen"

Also: Was Gott tut, ist kein Stückwerk!



Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.