Mittwoch, 15. September 2010

Zeichen der Wiedergeburt (1)

Wie in der Einleitung schon erwähnt, kann die heutige Lehre in den meisten Freikirchen einer umfassenden Prüfung mit dem Reinen und Vollen Evangelium nicht standhalten. Zu viele Abstriche wurden gemacht und eigenwillige Auslegungen, welche vom Zeitgeist geprägt wurden um die modernen und aufgeklärten Zuhörer nicht zu verärgern, sondern um sie zu erbauen und zu trösten, haben sich eingeschlichen. Heute wollen wir uns einmal mehr mit der Wiedergeburt beschäftigen. Beachte bitte auch den Aufsatz "Erweckung und Wiedergeburt", der vor der Lektüre dieses vorliegenden Aufsatzes gelesen werden sollte. Hier geht es um die Zeichen der Wiedergeburt, oder anders ausgedrückt, woran kann ich erkennen, dass ich wiedergeboren bin?

Ist jemand wiedergeboren, so gilt: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" (2.Kor.5,17). Das ist nun der erste Ansatz, bei dem sich der Christ fragten muss, ist bei mir wirklich "alles neu geworden", ist das "Alte wirklich vergangen"?

Bevor wir uns nun in die Tiefe der Weisheit wagen, wollen wir noch den Begriff der Wiedergeburt klären. Die meisten Christen wähnen sich wiedergeboren, wenn sie sich bekehrt haben und eine emotionale Segnung von Jesus Christus erfahren haben. Diese spontane Segnung ist dadurch zu erklären, dass wenn ein Sünder Sündenerkenntnis erlebt und Busse tut, sich der ganze Himmel freut. Da ja bekanntlich das Himmelreich in uns ist: "Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden ... sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch" (Lk 17,21), so übertragen sich starke Emotionen der Engel auf unsere Seele, zumal sie das auch beabsichtigen. Dieses gefühlsmäßige Erlebnis ist aber nicht die Wiedergeburt. Es wird allenthalben so gelehrt, dass dies die Wiedergeburt sei, aber wie wir eben erfahren werden, ist dies lediglich die Erweckung. Allerdings ist die Erweckung des Geistes in uns ein derart einschneidendes Erlebnis, das in der Tat das Leben des Sünders nachhaltig beeinflusst.

Vereinfacht ausgedrückt verhält sich die seelisch/geistige Entwicklung des Menschen wie folgt.

1. Der Mensch lebt unter dem Gesetz der Sünde. Seit Geburt befindet sich in seinem Herzen der Geist Gottes, vergleichbar einem Samenkorn (vgl. Mt. 13,31 ff), man kann auch sagen, einen Geistfunken. Dieser Geistfunken arbeitet im Weltmenschen als das uns bekannte Gewissen und führt den Menschen mit "Gut" oder "Schlecht", "Tue das", oder "tue das nicht" usw. Ist der Mensch interessiert an einem Geistigen Leben, z.B. interessiert ihn die Frage nach dem Leben nach dem Tod, so weckt dieses Gewissen, bzw. der Geistfunke in ihm, immer mehr das Interesse zur Suche nach der Wahrheit. Daraus auch das Interesse von so vielen Menschen an allen möglichen Philosophien und Religionen. Viele aber bleiben hier nun stecken, weil ihnen das schon genügt, was die Religionen bieten. Ist der Mensch aber davon nicht befriedigt und sucht weiter, so kommt er früher oder später mit dem Wort Gottes in Berührung und erhält von eben diesem Geistfunken Licht der Erkenntnis der Wahrheit. Es erwacht in ihm stets mehr die Liebe zu Gott und eine Sehnsucht, diesen Gott erkennen zu können.

2. Dieser Mensch erhält nun Sündenerkenntnis durch den innewohnenden Geist Gottes und bekehrt sich oder besser vielmehr, er macht eine Umkehr. Nun erlebt er die schon beschriebene Erweckung des Geistes. Dies ist der Beginn des Prozesses der Wiedergeburt, entspricht sozusagen der Zeugung des neuen Menschen. Dieses Samenkorn beginnt nun zu keimen und je nach dem Gehorsam wächst es und das Pflänzchen wird grösser. Im Leben der Seele bedeutet dies, der Mensch beginnt Gott mehr und immer mehr zu lieben und findet immer mehr Eckel am Weltgetriebe und seinen sinnlichen Reizen. Er erkennt, dass er die Begierden des Fleisches, seine Leidenschaften und seine alten Gewohnheiten überwinden soll und muss, will er Fortschritte in seiner Geistigen Reife machen. Diesen Prozess von der Erweckung bis zur vollen Wiedergeburt nennt man Heiligung. Viele Christen bleiben in dieser Phase irgendwann nach der Erweckung stecken, weil sie nicht gewillt sind, die Liebe zur Welt und ihren sinnlichen Reizen konsequent und kompromisslos abzusagen. Nehmen wir aber an, unser Mensch jagt wirklich dem vorgesteckten Ziele nach, so erlebt er immer mehr, wie der Geist Gottes in ihm zunimmt, Er wächst spürbar. Die Erkenntnis, die Wahrheit nimmt zu, die Liebe zu Gott wird schon zum Feuer, und dadurch nimmt auch die Liebe zu den Mitmenschen zu und er fragt nicht mehr nach dessen Nationalität, Bildungsstand und Rasse. Plötzlich erkennt er, dass sich in seiner Seele gewisse Geistesgaben offenbaren. Sei es die Gabe der Erkenntnis, der Lehre, des Dienens, der Krankenheilung, der Prophetie, des Weissagens oder viele mehr. Die Geistesgaben manifestieren sich schon vor der vollen Wiedergeburt. Dieser schon beschenkte Mensch ist aber immer noch in der Lage zu sündigen. Er leidet aber sehr darunter, dass es vorkommt, dass er hin und wieder fällt. Er tut vor Gott beschämt Busse und bittet um noch mehr Kraft und noch mehr Beistand. In der Phase zwischen Erweckung und voller Wiedergeburt lernt er auch den Willen Gottes für jede einzelne Alltagssituation zu erkennen und seine eigenen persönlichen Wünsche unbeachtet zu lassen. Ist der Mensch dann einmal soweit, dass er sagen kann "ich sündige nicht mehr", ist die Heiligung abgeschlossen, der Geist Gottes erfüllt die Seele ganz und gar.

3. Nun erlebt diese Seele die volle Wiedergeburt des Geistes. Als Zeichen werden ihm die Geistigen Augen geöffnet und der fleischliche Leib wird ebenfalls durchgeistigt. Eine Krankheit ist nun nicht mehr möglich, ebenso wie auch das Sündigen nicht mehr möglich ist. Dieser Mensch darf dann sagen "ich habe den Lauf vollendet". Genauso wie bei einem Kindlein vor der Geburt schon alle seine Sinne voll funktionstüchtig sind, die Augen öffnen sich aber erst nach der Geburt.

Nun kommen wir zu den eigentlichen Zeichen der Wiedergeburt. Wenn nun die Seele voll und ganz mit dem Heiligen Geist erfüllt ist, so manifestieren sich logischerweise auch die Eigenschaften des Heiligen Geistes.

Geschrieben aus der Erkenntnis, die der Geist Gottes mir ins Herz gegeben hat.